Bindungstrauma
bedeutet: Ich bekomme als Kind etwas Entscheidendes nicht –
Kontakt, Vertrauen, Einstimmung, Autonomie, Liebe.
Für ein Kind ist die
naheliegendste Erklärung nicht: Meine Bezugsperson kann das
nicht geben. Es schlussfolgert: Mit mir stimmt etwas
nicht.
Das ist der Kern von
Scham: Nicht "ich habe ein Problem", sondern
"ich bin das Problem".
Diese Scham schützt das
Kind. Denn solange der Fehler bei mir liegt, kann ich an der
Vorstellung festhalten, dass meine Bindungsperson grundsätzlich
gut und sicher ist. So muss ich die überwältigende Trauer über
den Verlust und die Wut über das Ausbleiben dessen, was ich
brauche und nicht bekommt, nicht vollständig
fühlen.
Reicht dieser Schutz nicht
aus, kann der Organismus einen weiteren Schritt gehen: Er
trennt sich nicht nur von den schmerzhaften Gefühlen, sondern
zunehmend auch von anderen Aspekten des Erlebens – etwa vom
Körperempfinden, von Erinnerungen oder vom bewussten Erleben
selbst.
Das nennen wir
Dissoziation.