Kleine Kinder sind
völlig abhängig von ihren Bezugspersonen. Um sich gesund zu
entwickeln, brauchen Kinder
Bindungstrauma entsteht,
wenn die Bindungsperson, die diese Bedürfnisse erfüllen sollte,
dies chronisch nicht hinreichend tut, das Kind nicht
genügend unterstützt oder emotional/körperlich verletzt,
verunsichert oder
überfordert.
Wichtig: Es braucht keine sichtbare Gewalt, um Bindungstrauma
zu entwickeln.

Traumatisch sind psychische Erfahrungen dann, wenn Menschen Lebensgefahr erleben – oder eine Situation als existenziell bedrohlich erfahren – und ihr gleichzeitig mit Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgeliefert sind.
Für Kinder fühlen sich allerdings ganz andere Situationen lebensgefährlich an als für Erwachsene. Ein Kind ist seinen Bezugspersonen existenziell ausgeliefert: Es ist vollständig abhängig von körperlicher Versorgung, Schutz und emotionaler Zuwendung. Was für Erwachsene belastend oder schmerzhaft sein kann, kann sich für Kinder anfühlen, nicht überleben zu können.
Trauma ist dabei nicht nur das, was passiert. Es kann auch aus dem entstehen, was nicht passiert. Deshalb ist es wichtig, auch emotionale Vernachlässigung zu benennen. Wenn ein Kind über längere Zeit keine angemessene Resonanz, keinen Trost oder keine emotionale Begleitung erhält, kann dies tiefgreifende Auswirkungen auf seine Entwicklung haben.
Alle Eltern machen Fehler. Das ist normal, menschlich und gehört zu jeder Beziehung. Entscheidend ist, dass Eltern sich immer wieder auf ihr Kind einstimmen, Missverständnisse klären und damit Beziehungsabbrüche reparieren ("rupture and repair").
Der Donald Winnicott prägte dafür den Begriff der „der „hinreichend guten Mutter“ ("good enough mother"), der heute auf Bindungspersonen insgesamt übertragen wird. Die Bindungsforschung zeigt, dass Eltern nicht dauerhaft perfekt auf ihr Kind abgestimmt sein müssen. Wenn Menschen später unter den Folgen ihrer Kindheit leiden, lag meist keine gelegentliche Unzulänglichkeit vor, sondern ein chronisches Muster von fehlender emotionaler Verfügbarkeit, Vernachlässigung oder Überforderung.
Das nachfolgende Video macht anschaulich, in welchen Stress geraten, wenn die Bindungsperson emotional nicht verfügbar ist. Das Video ist auf Englisch, es kann aber auch aufschlussreich sein, sich nur die Bilder zu sehen.
"Ich glaube, dass der Kern jeder
Traumatisierung
in extremer Einsamkeit besteht.
Im äußersten Verlassensein.
Damit ist sie häufig, bei Gewalttrauma immer,
auch eine Traumatisierung der Beziehungen und der
Beziehungsfähigkeit.
Eine liebevolle Beziehung, die in mancher Hinsicht einfach
ist,
wird unerlässlich sein,
um überhaupt von einem Trauma genesen zu
können."
- Onno van der Hart,
emeritierter Professor für
Psychopathologie chronischer Traumatisierungen,
Niederlande