Was ist Scham

Chronische Scham ist kein Gefühl, sondern ein Gedanke

  • Was stimmt denn nicht mit mir?
  • Ich bin zu viel — oder zu wenig.
  • Wenn die wüssten, wie ich wirklich bin…
  • Alle anderen kriegen das hin, nur ich nicht.
  • Das kann ich niemandem sagen.

    Aber was hat das mit Bindungstrauma zu tun?

Wenn Bindung wichtiger ist als das eigene Erleben

Kleine Kinder denken noch in Kategorien wie „gut“ oder „schlecht“. So funktionieren Kinderfilme – da gibt es ein klares Gut und Böse.

Für ein kleines Kind wäre es kaum auszuhalten zu erleben, dass ausgerechnet die Menschen, von denen sein Überleben abhängt, gefährlich oder nicht verlässlich sind.

Ein Kind, dem es schlecht geht, kann nicht denken: „Mama ist schlecht.“ Dann gäbe es keine Hoffnung mehr. Es ist hundertprozentig abhängig von Menschen, die es sich nicht ausgesucht hat und die es nicht verlassen kann. Es muss mit dem zurechtkommen, was es hat. Wir lieben wir unsere Eltern – ob wir wollen oder nicht.

Also bleibt als einziger Ausweg:

"Mama und Papa sind gut. Dann muss das schlechte Gefühl an mir liegen.

Mit mir stimmt was nicht.
Ich hab‘ etwas falsch gemacht.
Ich bin nicht liebenswert.“

Diese Schlussfolgerung ist keine bewusste Entscheidung. Sie ist die beste Lösung, die das kindliche Gehirn finden kann, um die Bindung zu den wichtigsten Menschen aufrechtzuerhalten. Denn solange das Problem bei einem selbst liegt, bleibt die Hoffnung bestehen:

"Vielleicht kann ich mich ändern. Vielleicht werde ich dann geliebt."

Kinder machen sich schlecht, damit die Bindungsperson gut bleiben kann.
Wenn die Bindungsperson gut bleiben kann, gibt es Hoffnung - auf Liebe.

Scham ist eine Anpassungsstrategie. So früh erlernt, dass sie sich normal anfühlt. Und chronisch wird.